1. Aller Anfang in/ist Olsztyn/Allenstein
Der Ausgangspunkt vieler Reisen durch Masuren ist Olsztyn. Auch ich habe dort kurz Halt
gemacht, um dann von Sorkwity aus einen kleinen Teil von Masuren mit dem
Fahrrad zu erkunden.
Olsztyn mit rund 175.000 ist die Hauptstadt des
Regierungsbezirks Ermland-Masuren und zieht mit seiner Uni auch junge Leute aus
der Umgebung an. Ich habe die Stadt mit ihrem hübschen und weitestgehend
historisierend rekonstruierten Altstadtkern und Schloss als sehr sympathisch
empfunden und einen schönen Nachmittag mit Bummeln und Schauen verbracht.
| Altstadtkern von Olsztyn |
| Olsztyn Zamek |
| Rathaus von Olsztyn |
Nach einer Übernachtung im Hotel Gromada, direkt am
Busbahnhof Olsztyns gelegen, ging es am nächsten Tag aufs Land. Zbigniew vom
Masurenteam,
das mir Unterkunft, Fahrrad und Kartenmaterial arrangierte, kutschierte mich
höchstpersönlich auf einer sehr unterhaltsamen Fahrt ins Hotel im Park in Jedrychowo/Sorkwity, sorgte dafür, dass ich mein
Domizil wohlbehalten erreichte und in der Theorie wusste, wo’s die kommenden
Tage langgehen würde.
2. „Stützpunkt“: Sorkwity/Sorkwitten, Hotel im Park
Das Hotel im Park
ist herrlich gelegen, abseits des kleinen Örtchens Sorkwity, der nächste See befindet sich direkt auf dem Grundstück,
Heuschober und Scheunengebäude sind heute zu Aufenthaltsräumen, Verwaltungsgebäuden
oder auch einem Restaurant umfunktioniert worden und die kleineren Gebäude auf
dem Gut sind aufgeteilt in mehrere Apartmentkomplexe und Ferienwohnungen. Toll!
Das Hotel wird von einem Deutschen geführt und mehrere
Mitarbeiter sind des Deutschen durchaus mächtig, Verständnisschwierigkeiten
können also mit einer Portion Langmut sehr gut vermieden werden. :-)
Mein ganz persönlicher Flitterwochenort!
3. Masurentouren mit dem Rad
a) Die Gegend um Sorkwity
Noch am Ankunftstag schwang ich mich aufs Leihrad, um die
nähere Umgebung zu erkunden. Masuren ähnelt stark meiner Vorstellung des
Auenlands. Wald, grüne Hügel, Seen und Kuhweiden fügen sich harmonisch zu einem
höchst idyllischen Bild. Dazu passen dann auch die schnatternden Gänse, verträumte
Bauernhöfe, freistehende Häuschen und vereinzelt die kleinen Dörfer zwischen
zwei Hügeln mit den typischen Tante Emma-Läden. So muss es „damals bei uns“
auch mal gewesen sein.
b) Sorkwity à Reszel/Rössel à Swieta Lipka/Heiligelinde
à
Sorkwity
Nach einem herrlich Abend am See und der Überraschung
deutschen Rundfunks im Zimmer ging es am nächsten Morgen „mittelfrüh“ aus den
Federn, um die insgesamt 60 Kilometer nach Reszel und Swieta Lipka und zurück zu
bezwingen. Beide Orte liegen nördlich von Sorkwity, die Umgebung ist
jedoch gleichbleibend hügelig, mit mehr oder weniger Wald und Seen zu beiden
Seiten der Landstraße gen Reszel.
Reszel hat sich
seinen mittelalterlichen Stadtkern erhalten, die Sehenswürdigkeit schlechthin ist
eine eindrucksvolle Deutschordensburg. Diese wurde wie die Marienburg auch aus
Backsteinen erbaut und kann auf eigene Faust erkundet werden. Mein Tipp: aus dem
Wehrgang hat man einen tollen Blick in den Innenhof der Burg und vom Turm aus
erblickt der Besucher den hübschen Altstadtkern. Der Eintritt zur Burg ist mit
3 Zloty fast umsonst und zum Mittagsessen lädt die Burgschenke ein.
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| Blick auf Reszel und Umgebung aus der Backsteinburg (Zamek) |
In „Kirschkernspuckweite“ von Reszel findet sich auch die
Jesuitenkirche Swieta Lipka. Der
Name bedeutet nichts anderes als Heilige Linde und verweist auf einen solch
legendären Baum, an dessen Stelle die Kirche errichtet wurde. Das prächtige
orange-/rosafarbene Kloster hat trotz aller Besucherströme eine ganz eigene
Wirkung. Ich musste mich zunächst allerdings erst einmal versichern, dass ich
mich am richtigen Ort befand. Ich bin ja hinlänglich bekannt für meinen
fehlenden Orientierungssinn, die Sache stellte sich hier aber etwas anders dar.
Mein Weggefährte, das Masuren-Reise-Taschenbuch von Dumont nämlich, besagte, die
Kirche sei im mediterranen Gelbton gehalten und hielt sogar ein Foto parat.
Tatsächlich entspricht Orange oder Terrakotta schon eher dem, was der Besucher
vorfindet. :-)
Kleiner Tipp für Swieta Lipka: Man informiere sich vorher,
wann Orgelkonzerte in der Kirche
stattfinden, denn dieses Instrument ist ein Meisterwerk. Alle Pfeifen sind mit
Figuren bestückt, die auf Tastendruck in Bewegung geraten – es gibt sich
drehende Sonnen, Posaune spielende Engel, Tiere und vieles mehr. Ein Fest für
die Augen von großen und kleinen Besuchern!
Nach der Entdeckungstour gönnte ich mir noch ein Eis im
Örtchen und schwang mich dann wieder auf den Sattel, um pünktlich zum
Abendessen zurück im Hotel zu sein. Unglücklicherweise mangelt es an diversen
Stellen an Beschilderung, sodass ich zu den 60 Kilometern noch gut 10
hinzuzählen muss, die mich erst in ein Sumpfgebiet – auf Froschrouten und durch
Mückenschwärme – und dann über eine zwei Kilometer lange abschüssige
Kopfsteinpflasterstraße führten. -- Ich liebe Halbpension, habe ich das schon
erwähnt?
c) Sorkwity à Mikolajki/Nikolaiken à Sorkwity
Die nächste Tour führte mich auf rund 90 Kilometern ins östlich
von Sorkwity gelegene Mikolajki. Auf
dem Hinweg ging es dabei durch einen Teil des Masurischen Landschaftsparks mit
wunderbar tannigen Abschnitten und entlang des Krutynia. Dieser Fluss ist allen
Masurenfans und Wassersportfreunden ein Begriff, denn eine Fahrt auf der
Krutynia gilt als DAS Naturerlebnis schlechthin. Nicht umsonst, nach allem, was
meine Augen auf diesem Streckenabschnitt geboten bekamen.
Mikolajki selbst liegt an direkt am Wasser und wird selbst
Ende August noch von allerlei Urlaubern frequentiert. Es gibt die typischen
Restaurants, Gofres (Waffeln) an der Uferpromenade, Sport- und Souvenirläden
sowie die Möglichkeit, mit einem der vielen Boote eine kleine Segeltörn zu
unternehmen und dabei den zahlreichen Schwänen, Enten und Reihern persönlich
Hallo zu sagen.
Es existiert eine Busverbindung zwischen Sorkwity und
Mikolajki, der Fahrradfahrer sollte sich allerdings vor der Tour genau
erkundigen, ob die Busse groß genug sind, um ein oder mehrere Räder zu
transportieren. Ich verließ mich blind auf die Masurenteam-Ansage und hatte bedauerlicherweise
das Vergnügen, auch den Rückweg zu radeln. Die Rettung war eine
Alternativroute, statt wiederum auf Schotter und Sand durch den Landschaftspark
zu fahren, nahm ich die weitestgehend abschüssige Landstraße. So konnte ich einiges
an Zeit und Kraft einsparen UND hatte die Gelegenheit, diese wunderbare Szenerie einzufangen:
| Gänsealarm! |
d) Sorkwity à Mragowo/Sensburg à Sorkwity
Last but not least stand für den letzten vollen Tag in
Masuren noch ein Besuch in Mragowo,
der Partnerstadt Grünbergs, nordöstlich von Sorkwity an. Die Strecke ist hin
und zurück in 40 Kilometern Landstraße entlang kleiner Orte und den bereits
bekannten Hügeln sowie jeder Menge Fell- und Federvieh zu bewältigen und stellt
keinen Radfahrer vor riesige Herausforderungen. Die Gründung von Mragowo geht wieder
einmal auf den Deutschen Orden zurück, auch wenn nie eine Burg errichtet wurde.
Der Charme des Ortes liegt für mich in den Bürgerhäuser aus dem 20. Jahrhundert,
die einen direkt zum Papst Johannes Paul II-Denkmal im Ortskern führen.
Endgültig überzeugt hat mich jedoch der lange, lange Steg
des Jezioro Czos-Sees am östlichen Rand des Stadtkerns. Dort hieß es Fahrrad
abstellen, Jacke und Schuhe ausziehen, Beine ins Wasser hängen und das
Ferienbuch auslesen. Ach wie toll ist doch Masuren!
Abreise: Sorkwity -> Warschau -> Berlin -> Gießen
Nach dem faulen Tag an Mragowos See folgte eine Packaktion,
die letzte Nacht im himmlischen Hotel im Park, eine sechsstündige Bus- und
Zugreise über Olsztyn nach Warschau und die Großstadterkundung. Warschau nach
dem idyllischen Masurenaufenthalt empfand ich als völlige Überforderung. Die
Skyline der Hauptstadt ist allerdings tatsächlich beachtlich. Es folgt ein Fotosammelsurium von Warschau im Tagesverlauf.
| Warschaus Skyline. Nicht zu verachten, oder? |
| pricewaterhousecoopers lässt grüßen! |
Tja und das waren sie auch schon, meine 10 Tage Polen. Wer
sich wundert, warum ich so wenig über die polnische Bevölkerung schreibe, dem
sei gesagt, dass die Kommunikation sich außerhalb der großen Städte
einigermaßen abenteuerlich gestaltete. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft
der Menschen war aber überwältigend. Egal wem ich unterwegs meine Karte vor die
Nase hielt, er/sie tat sein/ihr Bestes, um mich wieder auf den rechten Weg zu
bringen. Was dann und wann gar nicht so einfach war. (Wie auch, wenn frau die Vokabeln
für rechts und links trotz Eselsbrücke verwechselte?)
Ob es 2014 wohl endlich nach Istanbul geht? Sicher ist, dass dies lediglich die erste Etappe auf der Reise durch den Osten Europas war. Und was für eine!









