Dienstag, 21. September 2010

3b) Zwei Tage lang Entdeckerin Ionas spielen

Da man bekanntlich nicht immer nur auf Achse sein kann, sondern auch seine unmittelbare Umgebung erkunden sollte, bestand mein zweites "Wochenende" (Sonntag (12.9.) und Montag (13.9.)) darin, Iona endlich mal ernsthaft zu erkunden. Die Insel ist an sich ja nicht groß, man kann jedoch prinzipiell von drei geographischen Teilen sprechen, dem Dorf (An bhaile mòr - gälisch für große Stadt), dem Nord- sowie dem Südende Ionas. Im Dorf, das sich um die Anlegestelle der CalMac-Fähre gruppiert und aus etwa 20 Häusern besteht, befinden sich der Spar, der Pub, diverse Touristenshops, ein Haufen Bed-and-breakfasts sowie die Ruinen des Nonnenklosters der Insel. Die eigentlichen Farmer dagegen wohnen auf ihren eigenen Stücken Land (die wie Lagandorain ihre eigenen Namen haben) entweder nördlich oder südlich des Dorfs. Im hohen Norden Ionas befindet sich unser Hostel und auf halber Strecke zwischen Hostel und Dorf kann man Dun I (den höchsten Hügel Ionas) sowie das wiederaufgebaute Kloster bestaunen. Im tiefsten Süden der Insel befindet sich Columba's Bay, die Bucht, in der der irische Mönch und Begründer des Klosters, Columba, im Jahre 563 landete, die größte Hügelkette der Insel und der Hügel, auf dem Columba Engel gesehen haben will/soll (sprechender Name des Fleckchens: Sidhean - von gälisch Sidhe: Feenvolk).
Das Nordende habe ich in der ersten Woche schon ziemlich abgegrast, aber im Süden war ich erst am Sonntag. Dabei wurde ich zuerst beinahe von einem Hund gefressen, wäre fast in ein Loch gefallen, hätte im Mo(o)rast versinken und zu guter letzt von einem Felsen erschlagen werden können. Und warum so viele Zwischenfälle? Weil ich mal wieder zwei Eigenarten an den Tag legen musste, um mir das Leben ereignisreich zu gestalten. Nr. 1: Warum Wege doppelt gehen, wenn es Alternativen gibt? Nr. 2: Abkürzungen sind etwas Tolles. Wo ist die nächste? Der klar auszumachende Weg war also nicht immer meiner und meine Route war nicht immer ein Weg (sondern wahlweise ein Ziegenpfad oder eine Wasserlinie). Ohne Worte.
Hier wie immer an dieser Stelle ein paar Bilder (vom Nord- zum Südende Ionas), bevor's anschließend mit einem Exkurs in die Inselgeschichte weitergeht:

Kleine Tümpel am Strand von Lagandorain zwischen Sandstrand und Felsen.

Haus der MacDonalds, beziehungsweise das, was davon noch übrig geblieben ist, da die Bewohner vor dem Jahr 1900 nach Amerika ausgewandert sind - wie so viele Insulaner.

Ausblick vom Machair, dem gemeinsamen Weideplatz aller Farmer auf dem Südende der Insel, zum Golfplatz (hintere Rasenfläche) und Blick auf Port Ban, dem wohl beliebtesten Strand der Insel.

Bucht unterhalb von Port Ban, viele Kiesel, viele Felsen, viel Seetang.

Columba's Bay, die Südspitze Ionas von der Hügelkette, die die Bucht umrahmt, aufgenommen.

Freitag, 17. September 2010

3a) Zwei Tage in Tobermory

Zunächst einmal eine Anmerkung zum schottischen Wetter, über das ich eigentlich nichts schreiben wollte, aber bei diesem Ausmaß meteorologischer Wechselhaftigkeit bleibt mir nichts anderes übrig. Wie mir mitgeteilt wurde, war der amerikanische Wirbelsturm "Earl" in Wales ein gern gesehener Gast, da dort die Wellen "surfbar" sind und dank des Winds höllisch was los war auf dem Wasser. Hier oben auf Iona herrschte dank der Überreste des Sturms ebenfalls so einige Unruhe und beinahe wäre mein caravan abgehoben... Zwei Tage lang war hier feinstes Herbstwetter mit Sturmböen, mangelhaften Sicht, peitschendem Regen und wilden "dreckigen" Wellen (dreckig, da unsurfbar (gute Wellen sind im Surferslang "sauber" (clean)), die unvorsichtigen Strandbesuchern zu unerwarteten Bädern verhalfen. Jämmerlich anzusehen!! Vorgestern hatte ich innerhalb von zehn Strandminuten alles, was das Wetter zu bieten hat: Sonne+Wind, klare Sicht, Wolken+Nebel, Regenschauer, Sonne, einen Regenbogen, Wind. Nun kehrt langsam wieder etwas Ruhe ein und der Himmel lässt etwas blau erahnen. Ein Glück.


Meine Tage in Tobermory, 9. und 10. September, waren wettermäßig eher durchwachsen. Am Anreisetag, Donnerstag, war es sonnig, trocken und fast windstill, während der Freitag komplett verregnet war. Doch das machte nichts, immerhin wollte ich aufs Mòd (Gälischwettbewerb).
Tobermory ist die größte Siedlung auf Mull, Ionas Nachbarinsel, und lebt unter anderem vom Tourismus und der Fischerei. Entstanden ist die Stadt erst sehr spät, es bedurfte adliger Unterstützung und einiger Jahrhunderte, um ein lebenswertes Umfeld zu schaffen, heute gibt es sogar ein Kunstzentrum in der Stadt, das visuelle Kunst fördert und die gälische Szene unterstützt.
Um nach Tobermory zu kommen, bedurfte es einer Fähre und zweier Busse, insgesamt war ich also gute drei Stunden unterwegs, doch da die Reise Idylle vom Feinsten bereithielt und ich bis Craignure mit Iona und Sebastian, zwei deutschen Hostelgästen auf dem Heimweg, unterwegs war, verging die Zeit wie im Flug. Ankunft in Tobermory um halb 12, vom Busbahnhof ging's entlang der Küstenpromenade zum Fremdenverkehrsbüro, wo ich von der netten Dame am Schalter alle nötigen Infos und Stadtpläne bekam.
Iona und Sebastian hatten mir eine Wanderung zu Wasserfällen auf der anderen Seite der Bucht Tobermorys ans Herz gelegt und da das Wetter genial war, machte ich mich auf den Weg zum Aros Park, dem Grundstück der Allen-Familie, die sehr kirchlich angehaut war, aber im späten 19. Jahrhundert auch eine Menge für die gerade erst erblühende Stadt getan hat. Das Haus der Familie blieb leider nicht erhalten, der Park, den man über einen wunderschönen Küstenpfad erreichen kann, jedoch schon. Auf der Wanderung am Rand der Bucht entlang, einem Weg, den früher viele Fischer aus Tobermory täglich genommen haben, der streckenweise auch durch hübsche Waldstücke führt, kam ich mir fast wie Alice im Wunderland vor und beschloss, sämtliche Seitenwege zu nehmen, die ich finden konnte. Definitiv nachahmenswert!
Nach dem durchaus anstrengenden Nachmittagsspaziergang - natürlich mit sämtlichem Gepäck auf dem Rücken, da die Herberge in Tobermory erst um 17 Uhr öffnete - stand dann ein Rundgang durch die Geschäfte der Uferpromenade auf dem Tagesplan. Es gibt hübsche Sachen wie handgemachte (größtenteils "organische" (= Bio-)) Seife, eine Töpferei, Schmuck, eine unglaublich tolle Bäckerei mit Delikatessenabteilung und einen SCHOKOLADENLADEN sowie einen richtigen, großen Supermarkt. Top! Ein Besuch im Tobermory Art Centre, Kurz AnTobar genannt, durfte natürlich nicht fehlen, auch wenn es bis dorthin eine ganz schöne Kletterei war, da das Zentrum in der Wohngegend der Einheimischen fernab der Uferpromenade liegt. Dort konnte man aber bei einer genialen Aussicht eine leckere heiße Schokolade genießen. Nach dem Abstieg erkundete ich dann noch das in liebevoller Handarbeit zusammengestellte Heimatmuseum und zum Abschluss gab es Fish 'n' Chips vom gleichnamigen Van, die angeblich die besten der Welt sein sollten - wobei ich schon besseres gegessen habe - dann war Hostelzeit und Ausruhen angesagt. Freie Tage sollen schließlich der Erholung dienen.

Tag zwei begann mit einem frühen Frühstück in der Hostelküche, umringt von weiteren Deutschen. Um halb zehn war es dann soweit: Das Mull Provincial Mòd begann. Einmal im Jahr findet während eines Wochenendes in Mull ein großes Zusammentreffen von gälischen Künstlern statt, die ihr Können im Wettstreit miteinander messen. Alle Gesangswettbewerbe (Solos und Chor) sowie Geschichtenerzählen und das Rezitieren alter Geschichten findet in gälischer Sprache statt. Darüber hinaus gibt es noch die Kategorien Akkordeon, Geige und Dudelsack, wobei die noch einmal aufgeschlüsselt sind in Airs (melancholische Lieder), Reels (Tanzmusik) und Märsche. Und nicht fehlen dürfen auch die freien gälischen Darbietungen in einer Gruppe oder alleine präsentiert. Ich konnte aufgrund meiner freien Tage nur die Kinderwettbewerbe, welche traditionell am ersten Mòd-Tag stattfinden, mitverfolgen, hatte jedoch meinen Spaß. Gälisch kann ich nun zwar noch immer nicht, aber man bekommt doch schon einen besseren Eindruck von der Sprache und Kultur, vor allem da so ein breites Spektrum mit den Darbietungen abgedeckt war. Alles in allem haben mich ein paar Dinge jedoch überrascht: Es gibt offensichtlich Schulen (vom Eindruck her ähnlich wie unsere Musikschulen organisiert), die Kinder ganz konkret auf solche Wettbewerbe vorbereiten, sodass bei mehreren Wettbewerben in derselben Altersklasse oft die gleichen Kinder teilnehmen und gegeneinander antreten. In einigen Fällen schien die Teilnahme an den Wettbewerben auch nicht unbedingt selbstbestimmt zu sein, sondern vielmehr von dem Willen der Eltern abzuhängen. Manche Eltern waren ganz schön ehrgeizig. Auf der anderen Seite war da die Vielfalt der Teilnehmer, viele kamen von Mull - oft sogar aus Tobermory - doch auch eine Menge Teilnehmer der Nachbarinseln (z.B. Barra, Tiree) und vom Festland waren vor Ort. Die weiteste Anreise hatten definitiv die Westwells von den Orkney-Inseln, welche dafür ganz schön abgeräumt haben. Preise gab es übrigens keine, stattdessen durften die Gewinner der Wettbewerbe abends beim Kinder-Ceilidh auftreten und vor allen Anwesenden zeigen, was sie auf dem Kasten hatten. Das Highlight waren für mich die Chor-Darbietungen am Nachmittag, bei denen mehrere Schulen gegeneinander antraten mit jeweils einem traditionellen melancholischen Lied, einem Reel und einem rhythmischen Marsch. Die Kleidung der Teilnehmer bestand übrigens - unabhängig ob Männlein oder Weiblein - aus Kilt und Bluse. Sehr süß anzusehen!
Ganz nebenbei: Der zweite Mòd-Tag wurde live von BBC übertragen, der Wettstreit erregt also durchaus mediales Aufsehen und ist sicherlich auch eine gute Einnahmequelle für Tobermory, denn bereits Wochen im Voraus war jegliche Unterkunft für Freitagnacht ausgebucht. Ich hatte Glück, für Donnerstag noch ein Bett in der Jugendherberge zu ergattern...
Nachmittags wurde es dann Zeit, den Rückweg nach Iona anzutreten, da die letzte Fähre Fionnphort um sechs verlässt und ich tags drauf für die Reinigung der Ferienwohnung zuständig war, folglich vor Ort sein musste. Alles in allem waren es zwei schöne und ereignisreiche Tage im größten Ort in Reichweite, aber ganz ehrlich: Zwei Tage reichen auch ;).

Hier ein paar Bilder für alle Interessierten und diejenigen, die eh lieber Bilder schauen als lesen.

Küstenpromenade mit Anlegeplätzen für die Boote, das zweite rosa Haus ist die Jugendherberge, in der ich nächtigte.

Wasserfall im Aros Park, Atmosphäre pur, auch wenn das Bild dies nicht unbedingt hergibt.

Was man alles findet in Schottland. Gute, angefressene Fliegenpilze.

Was ist die Verniedlichungsform von "Loch"? Lochan! Man lernt nie aus :). Dies hier befindet sich mitten im Aros Park.

Tobermory bei Nacht.

Aros Hall, das Kulturzentrum, in dem das Mòd stattfand. Andere Veranstaltungen dort reichen von Tai Chi und Judo bis hin zu Livebands.

Dienstag, 14. September 2010

2. Lagandorain, die Bewohner und das Hostel

Mit einem Lagandorain-Bewohner als Beinwärmer schreibt es sich doch gleich besonders gut. Barney, der Scheunenkater (Scheune = engl. barn) hat sich nämlich meinen caravan als Heimstatt auserkoren und verlangt Tag und Nacht nach Einlass in sein Wahlheim - so laut, dass auch der stärkste Wind seine Laute nicht zu verschlucken vermag! Doch mal langsam und schön der Reihe nach.

Lagandorain ist der Name des Stücks Land, auf dem wir (also ich und der Rest der Lagandorainer) uns befinden. Dabei sollte man wissen, dass es auf Iona sowieso nur eine Straße gibt, die lediglich als Infrastrukturhilfe dient. Die Wohnhäuser - ganz zu schweigen von Scheunen, Ställen, Schuppen und anderen Hütten - liegen irgendwo auf einem Stück Land, was seit Jahren ein und denselben Namen trägt. Lagandorain ist also der Name "unseres" Grundstücks, gälisch für Tal der Otter. Es umfasst die Herberge, einen umgebauten Stall, das Haupthauses und die dazugehörigen kleinen Anbauten sowie Wiesen.
Hier ein Ausblick auf Lagandorain - von einem der Hügel des Grundstücks aus aufgenommen:

In weiß das Haupthaus, das dunkelgrüne Gebäude ist das Hostel, die Scheune in hellgrün und vor der Scheune meine Behausung, der Wohnwagen.

Die Bewohner: Im Haupthaus leben John und Michèle, Eigentümer des Grundstücks und somit unsere obersten Chefs. Da sie selbst mit dem Hostel nicht viel am Hut haben, sehen wir sie eigentlich sehr selten, wenn wir nicht gerade zur Feier des Tages zum Essen geladen sind. Zu den beiden gehört noch Snuffy, ein Bichon-Hund, klein, quirlig und absolut süß. Ab und an ist es auch einmal an uns, mit ihr einen Strandspaziergang zu unternehmen, wofür man allerdings besser eine Leine bereit hält, sonst spaziert weder sie noch man selbst...
In der (Jugend-)Herberge arbeiten wir zu dritt, die englische Hostelmanagerin Felicity sowie ihr walisischer Freund und ebenfalls volunteer Aaron sind bereits seit März hier. Routine pur also. Im August hat Inge, auch eine Deutsche, als zweiter volunteer im Hostel gearbeitet, sie hat mich auch während meiner ersten Tage unter ihre Fittiche genommen :). Jeder von uns arbeitet fünf Tage die Woche, die anderen beiden verbringt man nach Lust und Laune vor Ort oder auf Reisen. Gemeinsam ist die Arbeit in der Herberge meist ziemlich schnell erledigt, sodass noch genug Zeit bleibt, um hinter dem Haupthaus ein wenig Unkraut zu zupfen oder Kartoffeln zu ernten. An Arbeit mangelt es auf diesem Grund und Boden sicher nicht.
Neben uns dreien gibt es dann noch John Nr. 2, der unserem Chef John mit seinen Schreinerkenntnissen hilft, ein Holzboot von 1942 mit dem schönen Namen Amaranth (und liebevoll nur als "sie" bezeichnet) von Grund auf zu renovieren. Da Amaranth vor der Nachbarinsel Mull liegt und es das Wetter nicht immer so gut mit Iona meint, ist John bei Regen oder Sturm für andere handwerkliche Arbeiten in und um das Hostel zuständig. Momentan arbeitet er an diversen Bänken und streicht die Hostelfenster.
Dann sind da noch die verschiedensten Typen Mensch, die man sich denken kann und die unterschiedlich lange in der Jugendherberge bleiben und schon ist das Kapitel menschliche Gutsbewohner abgeschlossen.
An Tieren habe ich bereits Barney und Snuffy erwähnt, hinzu kommt noch eine etwa 50 Köpfe zählende Herde schwarzer Hebridenschafe, die auf einer der vielen Wiesen rund ums Haupthaus und Hostel herum grasen. Das berühmteste und mit Abstand älteste Tier der Herde ist Double-0-Seven (also 007), ein ehemaliges Flaschenkind und Draufgänger, der nicht einmal vor Lagerfeuern Halt machen würde, wenn man ihn nicht stoppte. Die Herde wird einmal im Jahr geschoren und aus der Wolle (auch "Angelhair" betitelt) werden dann Decken hergestellt. Auch gutseigenes Schaffleisch kann man erwerben und verzehren, wenn man den lieben Tieren zuvor nicht zu tief in die Augen geblickt hat. Darüber hinaus brauche ich wohl kaum auf die beträchtliche Anzahl von Spinnen, Ohrschlitzen, Schnaken und Hochlandmücken (auch midges genannt und fürchterlich fies!!) hinzuweisen. In Details gehe ich dabei so oder so nicht.

Und weil ich das Hostel noch als eigenen Punkt im Titel genannt habe, hier noch ein paar langweilige Einzelheiten: Raum für 22 Schlafgäste in fünf Räumen (mit zwischen zwei und sechs Betten), fünf Bäder, davon eines behindertengerecht eingerichtet, und eine riesige Küche mit allem drum und dran an Geschirr, Krimskrams und Möbeln sowie direktem Blick auf die Atlantikküste hinter dem Haus. Großartige Einrichtung, täglich gereinigt, einmalig! ;)

Zum Abschluss, bevor ich mich vom Wohnwagen wieder ins Hostel stehle, weil es die Ausläufer des amerikanischen Wirbeilstroms doch sehr schlecht/gut mit uns meinen und ich mir hier einen abfriere, noch ein paar Fotos. Morgen mehr zu den Ausflügen, die bereits hinter mir liegen (Abenteuer pur!).

Hebridenschäfchen direkt hinter meinem Wohnwagen - Einschlafen durch Schafezählen garantiert.

Darf ich vorstellen: Der Atlantikstrand schlechthin, keine zehn Minuten hinter dem Hostel.

My home is my castle - oder besser caravan (man beachte auch Barneys Hinterteil im Bild)...

Montag, 13. September 2010

1. Die Anreise

Wie bereits vor dem Antritt der Reise berichtet, wartete ein gutes Stück Weg auf mich, bevor ich an die Arbeit gehen konnte. Die einzige Schwierigkeiten auf der Hinreise bestand aber in dem Haufen Gepäck, das ich mit mir herumschleppen musste - immerhin an die 30 kg, ich hatte ja mein Bestes gegeben, um die Gepäckvorgabe auszureizen... Alle Busse fuhren jedoch (fast) pünktlich, die Fähren waren einsatzbereit und der Seegang nicht zu schlimm - das ändert sich nun, da der Herbst langsam Einzug hält und wir auf Iona kräftig durchgerüttelt werden vom Orkan, der über den Atlantik hereinzieht, und auch einiges an Wasser abbekommen. Doch das ist ein anderes Kapitel.


Vom Flughafen Köln-Bonn darf ich als Anekdote berichten, dass ein Sicherheitsbeamter wahrscheinlich den ganzen 30. August versucht hat, über den Geruch vielfach getragener Wanderstiefel hinwegzukommen. Die trug ich nämlich, da sie zu schwer und globig waren, um sie in den Koffer zu stecken. Und wie man unschwer erwarten konnte, musste ich sie beim Sicherheitscheck vorm Abflug ausziehen, damit sie auf Herz und Nieren geprüft werden konnten. Beide Organe schienen durchaus in Takt zu sein, ob es allerdings das Riechorgan des Beamten überlebt hat, ist unsicher. Ich hoffe es doch sehr für ihn ^^.

In Edinburgh gelandet fiel es mir nicht schwer, meinen Weg in die Stadt zu finden - immerhin fahren auch nicht allzu viele Busse vom Flughafen in die Stadt... Da ich zwei Stunden Zeit hatte bis zur Weiterreise nach Perth, stand eigentlich eine Shoppingtour entlang der Princes Street auf dem Plan, die jedoch aufgrund des Gedränges (immerhin war noch Fringe-Zeit) vertagt wurde. Stattdessen zog es mich in einen kleinen Park gegenüber des Busbahnhofs, in dem ich es mir mit einem Kaffee und dem ersten Sandwich auf schottischem Grund und Boden gemütlich machte. Das Wetter zu der Zeit war übrigens unglaublich gut, man hielt es durchaus im T-Shirt aus, weshalb ich mit zwei Jacken maßlos "overdressed" war...


In Perth (einem Städtchen, das auf mich einen ähnlich trostlos-idyllischen Eindruck wie Dundee machte) fiel ich dann mit all meinen Rucksäcken in die Waterstone-Buchhandlung ein, um die politische Lektüre meines Arbeitsurlaubs zu erwerben - frau liest gerade Andrew Marrs The Making of Modern Britain. Gutes Buch, gut geschrieben aber eine konstante Überlastung meiner Aufnahmefähigkeit in Sachen Namen und Daten.
Weiter ging's mit dem Bus von Perth nach Oban, entlang eines guten Stücks des West Highland Ways durch wunderhübsche Landstriche, die mal mehr mal weniger weit über N.N. lagen. Gepaart mit der Vor- bzw. Nachsicht des Busfahrers war mir binnen 30 Minuten ziemlich mulmig zumute und ich bekam in den nächsten 2 1/2 Stunden nicht mehr allzu viel von der Landschaft mit. Dafür war ich umso dankbarer, dass wir heil in Oban ankamen.
Oban selbst ist ein wirklich hübsches Fleckchen, das als letzter Festlandhafen vor den Inseln häufig und gut besucht ist. Sowohl von Touris als auch von Inselbewohnern übrigens, die sich dort mit allen nötigen Lebensmitteln und Luxusartikeln zu humanen Preisen ausstatten. Letzteres war mir leider unbekannt, bevor ich auf Iona ankam, weshalb ich auf den hiesigen doch eher teuren Spar angewiesen bin. Kein Tesco (oder Lidl oder sonstwas) weit und breit. In Tobermory gibt es einen Co-op, aber der ist nicht billiger als der Spar auf Iona. Naja. Insiderwissen. Solltet ihr mal nach Iona fahren, so wisst ihr nun bescheid - erledigt euren Einkauf in Oban!

Hier ein paar Fotos von unterwegs, die euch die Idylle etwas näher bringen. Die Highlands sind wirklich schön und es ist noch schöner, dass ich mal wieder da bin. Soviel war mir klar, als ich das erste "aye" und "cheers" hörte :).


Unschwer zu erkennen, ist dies die Forth (Rail) Bridge, von Justine und mir Nessie getauft, die nördlich von Edinburgh nach Fife führt und die Lowlands mit den Highlands verbindet.

Hier sieht man nun einen der Hügel von Fife, einer sehr landwirtschaftlich genutzten Region Schottlands.
Und das ist der Hafen von Oban mit Blick auf einen Nachbau des Kolosseums in Rom, dem McCaig's Tower, der von dem Bankier McCaig entworfen wurde mit der Idee, sich selbst und seiner Familie ein Denkmal zu errichten und/oder einigen Arbeitslosen von Oban etwas zu tun zu geben.

Nach einer erholsamen Nacht im hübschen Oban Backpackers Hostel bestieg ich am nächsten Morgen um neun die Fähre nach Craignure auf Mull, schaute mich dort ein wenig um und trank eine heiße Schokolade im Craignure Inn (sehr zu empfehlen, auch wenn sie offiziell gar keine heiße Schoki haben... Der Kellner war aber sehr bemüht und hat tatsächlich Kakaopulver organisiert. Großartig!). Weiter ging's dann mit dem Bowman Coach (Bowmans sind die einzigen, die auf dieser Insel ein Busunternehmen haben, man verderbe es sich also bloß nicht mit ihnen!) nach Fionnphort (sprich FINN-a-fort), einer kleinen Häuseransammlung am Ende der Halbinsel Ross of Mull mit spektakulärer Aussicht auf Ionas Ostküste. Und nach einem Abstecher ins Columba Centre mit der netten Dame an der Kasse, die mir einen wunderbaren Aufenthalt im ach so schönen Hostel wünschte, warteten noch einmal 10 Minuten an Bord einer Caledonian MacBrayne-Fähre (hier nur CalMac genannt) auf mich, bevor ich einen Fuß auf mein Reiseziel setzte. Dann noch einmal 40 Minuten Fußmarsch ans Nordende der Insel und da war ich. Ankunftszeit: 15 Uhr.

Hier ein paar Eindrücke des zweiten Reisetags:

Blick auf die Highlands von der Fähre Oban-Craignure (die Kenner können ja mal versuchen Ben Nevis auszumachen...). Wiederum wunderbares Wetter und erstaunlich wenig Seegang.

Lismore Lighthouse auf einer Landzunge kurz vor Craignure, Mull.

Blick von Fionnphort über die Sound of Mull nach Iona. Augenscheinlich angekommen am Ende der Welt.

Der Empfang in Lagandorain war sehr herzlich mit Tee und Keks im Haupthaus, wo John und seine Frau Michèle wohnen, und der Bekanntschaft mit meinen Arbeitskollegen Felicity, Aaron und John sowie Inge, die im August hier arbeitete und mit der ich mir für die ersten Tage einen Wohnwagen teilte. Abends gab es dann zur Feier des Tages noch selbstgemachtes Curry und Lagerfeuer mitsamt der beinahe-Beilage namens 007 (dem Flaschenschaf des Guts), der ganz offensichtlich nicht wusste, dass Feuer heiß ist und gerade noch so abstoppte, bevor er in die Glut hüpfte. Der Aufenthalt ließ sich also gut an :).

Gut gelandet und wohlauf!

Nachdem ich nun bereits seit zwei Wochen auf schottischem Boden wandle, wird es Zeit für ein Blog-Update, sonst ist meine Zeit auf Iona schon herum, ohne dass ich eine Zeile geschrieben oder ein Foto gepostet habe. Für die interessierten Leser habe ich mir nun Folgendes überlegt: Ihr bekommt jeweils kleinere Artikel zu bestimmten Themen, die natürlich alle mit der Reise zu tun haben, aber vielleicht für die einen mehr und für die anderen weniger interessant sind.

1. Anreise
2. Lagandorain (das Gut), die Bewohner und das Hostel
3. Meine freien Tage
a) zwei Tage in Tobermory
b) zwei Tage auf Iona-Entdeckungstour inklusive eines kleinen Geschichtsexkurses.

Dann wären da noch meine Arbeitskollegen, die Hostelgäste und das berüchtigte schottische Wetter, doch davon erzähle ich allen Interessierten auch gerne mal persönlich... Viel Spaß beim Schmökern!

Freitag, 27. August 2010

Iona, ich komme!

So ihr Lieben,

nun ist es also an der Zeit, Annes Ecke wiederzubeleben. Ihr werdet im kommenden Monat mit dem ein oder anderen Beitrag und Erfahrungsbericht aus Iona, Schottland, rechnen dürfen, wo ich halbtags in einem Hostel arbeiten werde.
Für diejenigen, die sich fragen, wo Iona überhaupt liegt, hier zunächst einmal eine Karte, die hoffentlich hilft, eine grobe Ahnung zu bekommen, das rote Herz zeigt euch, wo's für mich hingeht.


Iona gehört geographisch gesehen zu den Inneren Hebriden, einer Inselgruppe vor Schottlands Westküste. Wahnsinnig groß ist das Eiland vor der etwas größeren Insel Mull nicht, gerade einmal 129 Menschen leben dauerhaft auf ihr und nach allem, was man so liest, sind vor allem Künstler und Landwirte vor Ort. Dem Fleckchen Erde eilt allerdings sein Ruf voraus, so war es nämlich im Mittelalter das Zentrum des britischen Christentums, da der Heilige Columba im Jahre 593 auf ihm landete und sich von dort aus das Christentum über Schottland und Nordengland verbreitete. Zugleich ist Iona auch die Ruhestätte mehrerer schottischer Könige - unter anderem soll auch Macbeth dort seinen Frieden gefunden haben. Und ein wenig Berühmtheit hat Iona auch in der deutschen Literatur erlangt, Theodor Fontane nämlich widmete der Insel in seinem Buch "Jenseit des Tweed" ein Kapitelchen (zu lesen beim Projekt Gutenberg).

Für mich beginnt die lange, lange Anreise kommenden Montag, den 30. August, wenn um Punkt 11 Uhr morgens mein Flieger von Köln-Bonn in Richtung Edinburgh abhebt. Von der guten alten Erasmusstadt geht es dann über Perth nach Oban, einem Küstenörtchen, das ich bereits 2002 besucht habe und in dem ich die Nacht verbringen werde. Die Reise nach Oban dürfte sehr idyllisch werden mit vielen kleinen Örtchen und einem kleinen Wiedersehen mit der West Highland Way-Route von 2005 - natürlich mit dem Scottish Citylink-Bus. Tags drauf, am 31. geht es dann in aller Herrgottsfrühe mit Fähre Nummer 1 nach Craignure, auf Mull. Dort steige ich dann in den Bus, um ans andere Ende von Mull, nach Fionnphort, zu gelangen, von wo aus mich Fähre Nummer 2 nach Iona bringen wird und ich hoffentlich von John, dem Besitzer des Guts Lagandorai, Betreiber des Hostels und somit mein Chef, abgeholt werde.

Hier meine Route: Schwarz die Anreise, grau die Rückreise.


Allein die Anreise ist also ein Abenteuer für sich. Man darf gespannt sein. Die Vorfreude ist bei mir jedenfalls vorhanden, wenn auch gepaart mit etwas Bammel, da nicht alle Details (schon gar nicht die Arbeitsbedingungen) 100%ig klar sind. Dass ich aber einem schönen Plätzchen entgegenstrebe, lässt sich nicht abstreiten. Eine "Sehprobe" findet ihr auf der Hompage "meines" Hostels.

Ob ich heil ankomme und was Schottland Ende August alles für mich bereithält...? Fortsetzung folgt!

Samstag, 9. Januar 2010

Vorübergehend nicht erreichbar...

So, meine lieben Leser,

das Jahr 2010 hat begonnen und ich darf mich vorerst dem Pauken widmen. Dementsprechend wird dieser Blog vorerst auf Eis gelegt. Nicht für immer, wie ich doch schwer hoffen mag, doch momentan sehe ich weder die Zeit noch den Anlass, um diesen Blog weiterzuführen.

Lasst es euch in naher Zukunft gut gehen,
eure Anne