2013 – mein Osteuropajahr. Bereits zu Beginn des Jahres stand für mich fest, dass mich mein Weg gen Osten führen würde. Hatte ich in der Studienzeit einen ambitionierten Roadtrip von Polen über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien bis in die Türkei – genauer gesagt bis zum altehrwürdigen Byzanz/Konstantinopel/Istanbul im Auge, so stellte sich nun die Realität ein. Mein heiß geliebter blau-lila Polo ist nicht mehr der Jüngste und würde eine solche Reise vermutlich nicht ohne Herz-/Motorschaden überstehen und weder das Zeitfenster noch mein Gewissen erlauben himmelweite Sprünge. Die Moral von der Geschicht’: Ja, ich werde eines Tages in Istanbul ankommen, aber die Strecke wird aufgedröselt.
In diesem Jahr zog es mich also erst einmal ins Nachbarland Polen – via Berlin und Potsdam. Zunächst galt, die mittelalterliche Hansestadt Danzig an der Nordsee zu erkunden und mein Bedürfnis nach Meer zu stillen. Zwar hat die Ostsee weniger Wellen als der Ozean meiner Jugend westlich von ihr, aber schön ist sie allemal. Ebenfalls auf meinem Plan standen die Marienburg in Malbork, Olsztyn und eine Fahrradtour in Masuren, bevor es über Warschau zurück nach Deutschland ging.
Danzig
selbst ist ein Sammelbecken für allerlei Touristen, man hört neben
Polnisch, Russisch, Englisch, Deutsch und auch Französisch an jeder
Straßenecke. Das Alter der Polenreisenden dürfte irgendwo zwischen 16
und 65 liegen. Es sind wirklich Heerscharen von Menschen unterwegs, um
das Zentrum Danzigs zu bestaunen und zu erkunden. Dazu jedoch mehr im nächsten Beitrag.
Anreise: Berlin à Gdansk/Danzig
Meine Anreise erfolgte per Eurocity in einem Sechserabteil von Berlin über Poznan/Posen (hier musste ich direkt an meine beiden Posener Kommilitoninnen Paulina und Edith denken, die mit mir ein halbes Jahr in Spanien verbrachten) nach Danzig.
Die Polen lieben Abteile und vor allem Reservierungen wie ich später lernen sollte. Meine Reisegesellschaft: eine deutsche Mutter Alter 60+ und ihre vielleicht 20-jährige Tochter, ein polnisches Ehepaar um die 50 und ein Russe. Die beiden Deutschen sorgten dabei für ausreichend Unterhaltung auf dem Weg nach Danzig. So erfuhr man/frau, dass sie noch keine Jugendherbergsbetten hatten, sich aber keine allzu großen Sorgen machten, immerhin gebe es ja gleich drei Jugendherbergen in Danzig. Und das sind nur die Offiziellen! Glücklicherweise schien unsere gemeinsame Reise am Hauptbahnhof von Danzig ihr Ende zu finden, die beiden bevorzugten eine weniger zentrale Jugendherberge als ich. Das polnische Ehepaar wollte Verwandte kurz vor Danzig besuchen und die erstaunte Deutsche war einigermaßen amüsiert ob des unendlichen Apfelvorrats, den die beiden in ihren zwei Biedronka-Tüten versteckt hatten. [Kleiner Kommentar am Rande: Biedronka ist eine polnische Supermarktkette, die man auch in den kleineren Städtchen findet.] Beeindruckt hat mich besonders die Tatsache, dass sie den Inhalt der Tüten innerhalb der vier Stunden, die wir miteinander verbrachten, auch weitestgehend dezimiert hatten und keinerlei Anzeichen von übersäuerten Mägen zeigten. Alles in allem war die Fahrt sehr angenehm, es ging an Frankfurt (Oder) („Hier ist doch nichts los, oder?“, „Doch, das ist ein krimineller Umschlagplatz für allerlei Sachen, Kind.“) vorbei durch Felder, Wiesen, Wald, Hügel und Kleinstädte. Westpolen macht einen sehr ländlichen Eindruck auf mich, beschaulich aber einigermaßen einsam. Und nach sechs Stunden im Zug fuhren wir um kurz vor 22 Uhr im Danziger Hauptbahnhof ein. Geschafft! Jetzt noch die Jugendherberge finden, mein Abendessen vertilgen und dann den Kopf zur Ruhe betten. Gut, dass die Danziger Innenstadt weder allzu verwirrend noch sonderlich riesig ist. Die gebuchte Jugendherberge lag direkt am alten Hafen von Danzig, sodass ich das Vergnügen hatte, auf der Kaimauer zu Abend zu essen.
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| Vielen Dank an Google Maps! |
Die Polen lieben Abteile und vor allem Reservierungen wie ich später lernen sollte. Meine Reisegesellschaft: eine deutsche Mutter Alter 60+ und ihre vielleicht 20-jährige Tochter, ein polnisches Ehepaar um die 50 und ein Russe. Die beiden Deutschen sorgten dabei für ausreichend Unterhaltung auf dem Weg nach Danzig. So erfuhr man/frau, dass sie noch keine Jugendherbergsbetten hatten, sich aber keine allzu großen Sorgen machten, immerhin gebe es ja gleich drei Jugendherbergen in Danzig. Und das sind nur die Offiziellen! Glücklicherweise schien unsere gemeinsame Reise am Hauptbahnhof von Danzig ihr Ende zu finden, die beiden bevorzugten eine weniger zentrale Jugendherberge als ich. Das polnische Ehepaar wollte Verwandte kurz vor Danzig besuchen und die erstaunte Deutsche war einigermaßen amüsiert ob des unendlichen Apfelvorrats, den die beiden in ihren zwei Biedronka-Tüten versteckt hatten. [Kleiner Kommentar am Rande: Biedronka ist eine polnische Supermarktkette, die man auch in den kleineren Städtchen findet.] Beeindruckt hat mich besonders die Tatsache, dass sie den Inhalt der Tüten innerhalb der vier Stunden, die wir miteinander verbrachten, auch weitestgehend dezimiert hatten und keinerlei Anzeichen von übersäuerten Mägen zeigten. Alles in allem war die Fahrt sehr angenehm, es ging an Frankfurt (Oder) („Hier ist doch nichts los, oder?“, „Doch, das ist ein krimineller Umschlagplatz für allerlei Sachen, Kind.“) vorbei durch Felder, Wiesen, Wald, Hügel und Kleinstädte. Westpolen macht einen sehr ländlichen Eindruck auf mich, beschaulich aber einigermaßen einsam. Und nach sechs Stunden im Zug fuhren wir um kurz vor 22 Uhr im Danziger Hauptbahnhof ein. Geschafft! Jetzt noch die Jugendherberge finden, mein Abendessen vertilgen und dann den Kopf zur Ruhe betten. Gut, dass die Danziger Innenstadt weder allzu verwirrend noch sonderlich riesig ist. Die gebuchte Jugendherberge lag direkt am alten Hafen von Danzig, sodass ich das Vergnügen hatte, auf der Kaimauer zu Abend zu essen.
Station 1: Malbork/Marienburg
Nach einer durchaus erholsamen Nacht in einem nur halb belegten Schlafsaal ging es tags drauf nach Malbork, um dort die Marienburg und mehr als nur ein Kapitel polnischer Geschichte zu erkunden. Vom Danziger Bahnhof bis zum Örtchen Malbork sind es etwa 60 Minuten Zugfahrt. Selbstverständlich wird auch hier wieder eine Reservierung mitbezahlt und es mag vorkommen, dass die Rückfahrt günstiger als die Hinfahrt ist. Die Marienburg sieht man bereits aus dem Zugfenster und bekommt einen Eindruck von dem mächtigen Backsteinbau der Deutschordensritter, die die Wirren der Geschichte – neben der Vertreibung der Ritter auch die Weltkriege und die Flucht der Ostpreußen, die teilweise über Malbork stattfand – auf den ersten Blick fast unbeschadet überstanden hat.
| Marienburg von Malbork aus gesehen, man kann Mittel- und Hauptburg sehr gut erkennen. |
Die Marienburg war von 1309 bis 1457 die Machtzentrale des Deutschen Ordens, der auf Englisch übrigens Teutonic Order heißt und mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat, und Sitz dessen Hochmeisters. Mitte des 15. Jahrhunderts musste der Orden die Burg zunächst an Söldner verpfänden, die auf Seiten des Ordens in die Schlacht von Tannenberg gezogen waren. Diese wiederum verkauften die Burg dann an Polen, den Widersacher des Deutschen Ordens. Die Irren und Wirren der Geschichte.

Zum Sonnenuntergang ging es dann mit dem Zug und um einige Postkarten und Briefmarken reicher zurück nach Danzig in die Jugendherberge. Dort traf ich auf eine meiner Schlafsaalgenossinnen, die eine Alternative zur ganztägigen Marienburg-Reise in petto hatte. Besagte Amerikanerin traf ich bereits morgens am Malborker Bahnhof und hatte das Vergnügen, mich bei der Bewältigung des Kilometers zwischen Malbork-Stadt und Marienburg über einige Details ihres Polenaufenthalts aufklären zu lassen. Ihre Einschätzung zu Malbork und der Tagesplan: Einen ganzen Tag in Malbork zu verbringen, lohne sich nicht, immerhin gäbe es Hunderte solcher Bauwerke. Eine Führung sei außerdem überteuert (da hat sie sicherlich nicht ganz unrecht, die Kosten waren definitiv der größte Posten meiner Tagesausgaben). Fazit: Stürmung der Burg ohne Führung, nach einer guten Stunde das Bollwerk hinter sich lassen, in einen Außenbezirk von Danzig fahren und dort eine Kirche besichtigen, die die älteste Orgel Polens beherbergt. Dann zurück in die Innenstadt, um das Solidarnosc-Denkmal anzusehen. C’est ca. Und abends völlig ausgelaugt in der Jugendherberge hocken.
Wie dem auch sei, für mich hat sich die Führung durch die Marienburg schon allein wegen der Atmosphäre, den Infos und der Möglichkeit, eine langjährige Burgführerin kennenzulernen, gelohnt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich viele renovierte Details alleine nicht einmal registriert hätte und mir der Aufwand des Burgerhalts völlig entgangen wäre.
Wie dem auch sei, für mich hat sich die Führung durch die Marienburg schon allein wegen der Atmosphäre, den Infos und der Möglichkeit, eine langjährige Burgführerin kennenzulernen, gelohnt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich viele renovierte Details alleine nicht einmal registriert hätte und mir der Aufwand des Burgerhalts völlig entgangen wäre.
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| Arbeiten vor der Burg, wo sich das ursprüngliche Örtchen Malbork befand, in dem Handwerker und Burglieferanten wohnten. |
Im nächsten Beitrag gibt es Fotos von und Eindrücke aus Danzig. Das Städtchen ist wunderschön und hat im Hinterland noch so eingies in petto.





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