Sooooo, hier melde ich mich dann auch endlich einmal wieder zu Wort.
Lang, lang ist's her, allerdings gab es einige Hindernisse zu bewältigen oder halbwegs zu überwinden. Mittlerweile ist soweit wieder alles im grünen Bereich, also kommt nun der lange Nachtrag... Wie oder wo fange ich denn diesmal an? Von vorne oder hinten? Vielleicht ausnahmsweise mal wie in einem amerikanischen Lebenslauf, vom Aktuellen zu alten Klamotten.
Diese Woche war geprägt von PC-Problemen, da mein Adapter letztes Wochenende beschlossen hat, es sei an der Zeit, sich von mir zu trennen. Abschied Nummer eins also. Das traurige an der Geschichte ist, dass das Teil mir nicht nur besonders am Herzen lag, sondern auch insgesamt besonders (weil nicht universell) war. Also bin ich Montag und Dienstag vergeblich von Computergeschäften zu Elektroläden getingelt, um herauszufinden, ob 1. der Adapter wirklich total den Jordan überschritten (bzw. überquert) hat und 2. nicht doch irgendein geschäftiger PC-Fachmann/Elektromensch solch einen Anschluss wie den meines Adapters jemals zu Gesicht bekommen hat. Es stellte sich schließlich heraus, dass zunächst der Anschluss durchgebrannt und dann der Adapter gestorben ist. Schande aber auch! Aber immerhin konnte ich dem netten PC-Reparateur meine Spanischkenntnisse beweisen und habe ganz viel geflucht im Laden. Zitat: "Jaja, hast ganz schön gut Spanisch gelernt". Hätte aber doch viel lieber weniger geflucht und mehr Erfolg gehabt. Naja. Nun warte ich eben auf ein Päckchen aus Deutschland, das den herbeigesehnten Ersatzadapter enthält. Unterdessen, nach drei langen, langen Tagen OHNE Laptop, hat Frau sämtliche (sehr beschränkte) Multimedia-Angebote des sorianischen Campus' getestet, Feindschaft mit einem PC geschlossen, der sich alle dreißig Minuten selbst herunterfuhr und tatsächlich angefangen Platons Gastmahl (naaaaja, zumindest die 30-seitige Einleitung) zu lesen. PC-Abstinenz bildet also auch.
Sozial wurde meine Woche erst nach hinten heraus, da ich die ersten drei Tage viel zu beschäftigt damit war, kopflos durch Soria zu rasen und jedem, der fragte, wie es mir denn ginge, meine Geschichte herunterbetete - schlussendlich zu meiner eigenen Belustigung. Nun ja, Donnerstag dann der große "Übersetzer-Botellón" (sprich gemeinsames Besäufnis im Stadtpark), der in der WG mit dem wunderbaren Spiel "Wer kennt wen" begann. Interessant. So weiß ich jetzt, dass Laura weder mit Cedric oder Eero, noch mit mir auf Kneipentour geht, sondern Nico einlädt, dass Cedric Kunden, die ihn auf der Arbeit anrufen, mit einem netten "Sag an, was geht!!" begrüßt und Eero mit seinen Eltern hauptsächlich über seinen Bruder redet. Schön, schön. Anschließend haben wir uns dem "Ich habe noch nie in meinem Leben... getan"-Spiel gewidmet und sind schließlich gen Park getrabt, wo wir uns köstlich unterhalten haben, bevor's zur Partymeile ging und von dort aus in eine Karaoke-Bar. Eieiei, mir sind nun so allerlei Schnulzen auf Spanisch bekannt. Puuuuh. Aber brav wie ich bin, habe ich mich nach dreikommafünf Stunden Schlaf aus dem Bett erhoben, um zu meiner Englischübersetzungsübung zu erscheinen. Auauau, sage ich da nur und schweige über den Rest. Freitag war dann der allwöchentliche Erasmus-Treff mit Clemence und Pauline, Französinnen, und Reinhilde, Belgierin, angesagt, zu dem sich die drei neuen Italienerinnen gesellten, die wirkliche, reale Spanierinnen im Schlepptau hatten. Wow, welch Bereicherung ;). Gut, dass ich danach nicht noch mit den Französinnen auf eine WG-Party bin, so blieb mir ein unbefriedigtes Ende des Abends erspart, da ich die einzige "Ausländerin" unter lauter Frankreichbewohnern gewesen wäre...
So, Samstag ging es dann entschärft zu wie Donnerstag, tagsüber übersetzen, übersetzen, übersetzen, nachmittags hieß die Aktion "Marika aus dem Haus und zu Chocolate con Churros (Schokopudding sowie frittierte Teigteilchen) kriegen", abends gemeinsames Mexiko-Essen und anschließend Karaoke. Juche. Ins Bett gekommen bin ich um vier und erhoben hab ich mich heut früh um zehn, da Präsentationsüben für morgen (Vortrag in Interkultureller Pragmatik über Beleidigungen im deutsch-spanischen Verlgeich) angesagt war - nach einem Brunch und vor einem wetterbedingten gemeinsamen Mittagessen (aus dem Nichts heraus kam das Dunkel über uns und ließ Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle vom Himmel herabdonnern - um das ganze mal dramatisch aufzuladen mit der Erklärung, dass bei solch einem Hundewetter natürlich niemand freiwillig vor die Türe gehen wollte).
Ach und falls sich jemand wundert, dass in dieser Woche gar nichts Skurriles passiert ist, hier noch zwei kleine Geschichten. Die erste hat mit Sonnis Lachs der Weisheit zu tun, um den es montag Abend ging, als Louise feststellte, dass ihre zweite Gemüsesuppenration sehr viel grünlicher war als die erste - die Suppe habe sich also ihrem wirklichen Sein angepasst und sich auf eine andere Stufe des Seins katapultiert. Die Verbindung zum Lachs besteht hier darin, dass die Suppe auch anders schmeckte und schmecken ist im Spanischen "saber", was auch Wissen heißt, wie mir plötzlich bewusst wurde, weshalb das Thema auf den Lachs der Weisheit kam. Sonni, wenn du das hier liest: Wie steht es mit den Verben im Gälischen? Ist dort wissen auch schmecken?!?
So und die zweite Geschichte hat mit dem Ausdruck "Brückentag" zu tun. Während ihr in Deutschland ein langes Wochenende hattet, was auch der Fall in Frankreich war, durften wir volle fünf Tage zur Uni gehen. Allerdings kam das lange Wochenende einem Freund von Louise sehr gelegen, der dann mal eben für ein paar Tage nach Spanien gereist ist. Und da ja wie gesagt Brückentage waren, kamen die beiden Parisianer (möchte hier mal nicht Pariser schreiben...) auf die Idee, sie könnten im wahrsten Sinne des Wortes "Brücke machen" (im Spanischen: hacer puente) und eine alte Eisenbahnbrücke ebenfalls, nach der Suppe, auf eine andere Ebene des Seins bringen. In einer Nacht- und Nebelaktion haben die zwei dann besagte Brücke blau bepinselt...
Ohne weitere Worte. Lasst es auf euch wirken. Wenn ich demnächst dort vorbeikomme, mach ich ein Foto ;).
Und hier noch eben das Bild der Woche, aufgenommen Donnerstagnacht (oder Freitagmorgen, je nachdem wie man es sieht...). Um mal den Gesichtern Namen zu geben: Erste Reihe: Samuel (FR), Rodrigo (Chile); 2. Reihe: Angela (IT), ich, Laura (ES), Eero (FIN), Debora (IT); 3. Reihe: Claire, Cedric (FR), Elisa (IT), Tomas (ES). Der erweiterte Erasmus-Trupp eben.

Tja und der zweite Abschied ist jetzt schon zwei Wochen her und äußerst schwerwiegend, da Nico endgültig sein Wohnzimmer (also unser Wohnzimmer und seine Wohnung in den letzten Wochen) verlassen hat, um bei seiner Freundin in Belgien einzuziehen. Puuuuh. Ist ganz schön ruhig in der WG seitdem. Aber hey, immerhin ist die Präsentation seiner Diplomarbeit gut gelaufen :).
In seiner letzten Woche gab es ein Konzert unserer Musiker (sprich Nico, Tomas und dem Rest der Erasmusmusikanten, man siehe meinen letzten Eintrag) und am Wochenende, nach gemeinsamem Kartenspiel, Bierchentrinken und Abschiedsessen (Tomas wollte kochen und ich sollte helfen, geendet hat das ganze darin, dass ich am Herd stand, während der Herr mit dem Rest im Wohnzimmer scherzte, hehe) haben wir uns dann auf die Suche nach dem Ursprung des Lebens im Soria begeben, haben Numancia erkundet, das keltische Gallierdörfchen unweit des Provinzkapitals, dessen Bewohner sich nach jahrelanger Römerbelagerung selbst das Leben genommen haben, und sind anschließend tatsächlich ins sorianische Hochland (jap, ihr habt die Erlaubnis zu lachen, vom schottischen ins spanische Hochland ist wie vom Regen in die Traufe...) gefahren, um uns die Spuren der Dinosaurier anzuschauen. Muahaha. Guter Witz... Auch davon gibt es ein Foto, sobald mein PC wieder funktionstüchtig ist. War ein sehr lustiger Ausflug und hat den Abschied noch ein bisserl persönlicher gemacht... Montag wurde Nico dann zum Busbahnhof gebracht (sechs Menschen mit Gepäck in einem Ford Focus...) und im Eiltempo (Busabfahrt um 10 Uhr, Ankunft am Bbhf um 9.56 Uhr) mit einem hasta pronto verabschiedet. Ein Glück, dass es die San Juanes-Festtage gibt, da kommt der Gute nämlich nochmal wieder.
Jup so viel zu den Abschieden.
Natürlich fehlten auch die Bekanntschaften nicht, so ist Laura, eine Italienerin, die das erste Semester in Soria verbracht hat, nochmal zurückgekommen und hat mit mir der spanischen Königin zugewunken, Bier getrunken und in Clubs getanzt. Außerdem gab es da noch ein Pastaessen bei Angela, Elisa und Dorothea, unseren italienischen Dreimontagsphysiopraktikantinnen. Und nicht fehlen darf in der Auflistung die WG-Party bei Samuel und Claire, bei der die gesamte Erasmus-Gesellschaft "sich näher kennenlernte" (dank einem Physiospielchen, das hier nicht detaillierter beschrieben werden wird)...
Hier steppt wie immer der Bär, leidet der Schönheitsschlaf und wird die Sangeskunst geprobt (die neuste Entdeckung: Wir haben einen Karaoke-Kanal unter den 10.000 Kanälen unseres Fernsehanbieters). Ach, Laura hat ihre Abschlussthesis angereicht :) und ich weitere Spanierbekanntschaften gemacht/aufgefrischt (man sollte neben Erasmusbekanntschaften auch mal mit waschechten Bewohnern reden, hihi).
Soweit so gut. Nachtrag beendet und Zeit für die letzte noch ausstehende Übersetzung mit dem Reserve-Laptop meiner französischen Mitbewohnerin. Puh. Immerhin beherrsche ich jetzt auch die französischen Windows-Grundbegriffe ^^.
Hasta pronto!